»Erotisches Kapital«: Nachträge statt Fortsetzung

Die Fortsetzung des Eintrags vom 24. 2. lässt schon über einen Monat auf sich warten. Der Grund ist simpel. Ich habe mich mit dem Thema übernommen, und zwar gleich mehrfach. Erstens braucht es für eine handfeste ökonomische Analyse sozialer Beziehungen Kompetenz und Übung, an denen es mangelt. Zweitens müsste man, um den »Markt« mit seinen Akteuren, Ressourcen und Bedürfnissen handfest zu beschreiben, wohl doch tiefer in die Literatur über Sexualität im Allgemeinen und Besonderen einsteigen, als ich Lust habe. Drittens stößt man überall auf foucaultischen Konstruktivismus, der mir eher fernliegt. Und viertens steht man bei diesem Thema stets ganz nahe an dem Abgrund feministischer Verdammnis. Ich will versuchen, mich jedenfalls oberflächlich aus der Affäre zu ziehen. Heute reicht es aber nur zu zwei Nachträgen, die immerhin zeigen mögen, dass ich das Thema nicht aufgegeben habe.
1. Ausgangspunkt war die Annahme, dass die männliche Nachfrage nach sexuellen Begegnungen mit Frauen das Angebot = weibliche Nachfrage um etwa das Zehnfache übersteigt. In den letzten Wochen häufen sich in den Gazetten, ausgelöst wohl durch ein Buch »Die versteckte Lust der Frauen« (das ich nicht gelesen habe), Berichte, nach denen Frauen in ihrem sexuellen Appetit mit den Männern gleichgezogen hätten1. Es hat sich in den letzten Jahrzehnten viel verändert. Aber darauf will ich mich nicht einlassen, denn die patriarchalische Sozialstruktur, die es zu erklären gilt, ist älter. Die Frage lautet, um sie noch einmal zu wiederholen, warum es Frauen im Laufe der Geschichte nicht gelungen ist, ihre überlegene Position auf dem Markt der sexuellen Beziehungen in Status und Macht umzusetzen.
2. Aus dem Leserkreis bin ich auf zwei Rezensionen des Hakim-Buchs aufmerksam gemacht worden: Andreas Schmitz/Hans-Peter Blossfeld, Rezension von Catherine Hakim: Erotic Capital: The Power of Attraction in the Boardroom and the Bedroom, New York: Basic Books, 2011, in: European Sociological Review, März 2012. Zur deutschen Übersetzung des Buches haben dieselben Autoren ihre Rezension der der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 64, 2012, 836-838, veröffentlicht.

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  1. Angeführt werden Daniel Bergner, Die versteckte Lust der Frauen. Ein Forschungsbericht, 2014; sowie Volkmar Sigusch, Sexualitäten, Eine kritische Theorie in 99 Fragmenten, 2013. 

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