Das finale Projekt des Feminismus: Die Entmännlichung der Vornamen

Eine neue Projektgruppe will die letzte Bastion des Patriarchats ausräumen, die Ableitung weiblicher Vornamen aus Männernamen. Ich habe mich der Gruppe angeschlossen, denn meine Frau leidet darunter, dass sie Sabine heißt. Sabinus war ein römischer Männername. Irgendwann wurde er den Mädchen als Sabine aufgepfropft. Ähnlich geht es den meisten Frauen, ganz gleich, ob sie nun Alexandra oder Christiane, Berta oder Johanna,  Carola oder Wilhelmine getauft wurden.  So hat das Patriarchat dafür gesorgt, dass Frauen durchweg nur als männliche Derivate erscheinen. Nur wenige Frauen können sich ihrer Identität versichern, indem sie auf das Volksliedgut zurückgreifen und singen: »Sabinchen war ein Frauenzimmer«.

Auch bei der Namensgebung hat es inzwischen Fortschritte gegeben. Frau dürfen nach der Heirat ihren Geburtsnamen behalten. Die Metereologen haben umgestellt. Nicht mehr nur Tiefdruckgebiete erhalten heute Mädchennamen.[1] Aber es bleibt doch ein großer Gender-Namens-Gap. Nur 14,8 Prozent der Prokaryonten (Bakterien und Archaeen) werden nach Frauen benannt.  Und vor allem – wie gesagt – es bleibt das Vornamenspatriarchat. Dagegen will die neue Bochumer Projektgruppe kämpfen. Ihr Aktionsplan sieht folgende Schritte vor:

  1. Entlarvung aller von männlichen abgeleiteten Frauen-Vornamen.
  2. Sammlung genuin weiblicher Vornamen.
  3. Namensaktivismus in den sozialen Medien
  4. Lobbyismus auf allen politischen Ebenen
  5. Vorbereitung eines Verfassungsklage.

Es gilt also, für genuin weibliche Vornamen zu kämpfen. Die sind allerdings selten. Genau darin liegt das Problem. Einige schöne Exemplare wie Athene, Hera und Juno findet man in der griechischen Götterwelt. Auch bei den Germanen wird man mit Isolde und Thusnelda fündig. Nicht alle Frauen sollten Rosa heißen. So muss man erfinderisch werden. Die ersten Vorschläge aus der Gruppe lauten: Gendergäpchen, Careless und Vibratsche.


[1] Vgl. dazu den Eintrag vom 1. 4. 2024: Die binäre Wetterordnung der Meteorologie.

[2] Heike M. Freese/Lola Giner-Pérez/Aharon Oren/Markus Göker/David R. Arahal,  The Gender Gap in Names of Prokaryotes Honouring Persons, International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology, November 2023 (doi: 10.1099/ijsem.0.006115).

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