Das Annual Meeting der Law & Society Association 2026 als Wissenschaftsasyl

Das Annual Meeting der Law & Society Association 2026, das vom 29. bis 31. Mai in San Francisco stattfinden soll, wird mit einem Bild angekündigt:

(Na ja, da Bild hat mir ChatGPT ein bißchen durcheinander gebracht.)

Dazu heißt es, nachdem zuvor für die Herkunft des Begriffs an das alte Kirchenasyl erinnert wurde:

»Today, the field of law and society offers a sanctuary for scholars searching beyond any single discipline to answer urgent questions about the legal, political, and social world. How is law and society a scholarly sanctuary, and what are the results of this? More generally, what does it mean to offer sanctuary in this political climate?«

Man nimmt also Bezug auf die aktuellen politischen Verhältnisse (in den USA?). So gewinnt das Motto eine Richtung, die sich nicht zuletzt daraus erklärt, dass sich auf dem Law & Society Forum wissenschaftliche Bemühungen vielfach mit politischem Aktivismus verbinden.

Irgendeine Theorie sehe ich hinter dem Motto noch nicht. Dazu ist es zu weit, deckt es doch alles, was sich mit »Schutz« und »Zuflucht« assoziieren lässt. Aber auf jeden Fall ist es den Veranstaltern gelungen, für die Tagung einen verbalen Kristallisationskern zu schaffen. Es wird spannend sein, ob sich aus den unendlich vielen Vorträgen ein umfassenderes Konzept entwickelt.

Tatsächlich nehmen viele der angemeldeten Vorträge auf das Motto Bezug, freilich kaum in dem Sinne, dass die Law & Society Association und ihre Tagung als Schutzraum für wissenschaftliche Betätigung in Anspruch genommen werden. Vielmehr ist es nun das Recht mit seinen Institutionen, das Schutz bieten soll. Das ist ein neuer Tonfall in der Law & Society Community, nachdem bislang das Recht in der Tradition der Critical Legal Studies vor allem negativ mit Macht und Herrschaft, Diskriminierung und Exklusion konnotiert wurde.

Erstaunlich das Tagungsprogramm für San Francisco 2026. Es hat nicht weniger als 343 Seiten. Angekündigt sind etwa so viele Panels, wie das Programm Seiten hat, insgesamt deutlich über 1000 Vorträge. Da bin ich überfordert.  Ich habe das Programm bei ChatGPt eingegeben, um eine Übersicht zu gewinnen. Die füge ich hier als PDF ein.

Nach meiner Emeritierung habe ich die Teilnahme an den Tagungen der Law & Society Association aufgegeben. Für mich waren die jährlichen Meetings, ganz abgesehen von ihrem wissenschaftstouristischen Reiz, über viele Jahre die wichtigste Quelle für Anregungen und Kontakte und für den Import von Inhalten in die europäische Rechtssoziologie.

San Francisco weckt Erinnerungen an 1979. Das war mein zweiter Besuch in den USA nach Minneapolis 1978. Zu dieser und vielen weiteren Tagungen hat mich meine Frau als interessierte Juristin begleitet. Eigentlich wollten wir mit dem Auto von Los Angeles an der Küste nach San Francisco fahren. Das scheiterte aber an der Ölkrise damals.  So blieben wir eine Woche in einem Hotel in Venice Beach und sahen von oben aus dem 7. oder 8. Stockwerk  die Autos um den ganz Block vor einer Tankstelle warten. Immerhin hatten wir einen Mietwagen mit vollem Tank. Rick Abel half uns dabei, die Gegend zu erkunden. Wir schwammen täglich nach seinem Vorbild im kalten Pacific an dem wunderbaren Strand von Venice und bewunderten auf den Straßen die Skate-Boards, die zu jener Zeit große Mode waren. Tiefen Eindruck machte das Getty-Museum.

Mit dem letzten Tropfen Benzin brachten wir den Mietwagen zum Flughafen von LA zurück und flogen nach San Francisco. Dort hatten wir noch reichlich Zeit für touristische Erkundungen. Dabei war insbesondere Paul Nejelski hilfreich. Vor Augen habe ich noch den wunderbaren Garden Court des Palace Hotels, in dem wir Unterkunft fanden. Die Tagung fand wohl im Sir Francis Drake Hotel statt (heute Beacon).[1] Aber die Erinnerungen an San Francisco gehen durcheinander, denn vor Augen habe ich auch die vom Erdbeben zusammengeschüttelten Highways. Das Erdbeben war jedoch erst 1989. Das verwechsle ich wohl mit einem Aufenthalt anlässlich der Tagung 1990 in Berkeley.

Großes Thema war damals die alternative Streitregelung. So nutzten wir die Woche in Venice zum Besuch des gerade neu eingerichteten Neighborhood Justice Centers in Venice und besuchten Judge Robert Beresford in San José, der dort (im heutigen Silicon Valley) auf eigene Initiative ein Small-Claims-Vermittlungsverfahren eingerichtet hatte. Darüber haben wir dann in der Deutschen Richterzeitung 1980 (S. 421-425) berichtet (Sabine Röhl/Klaus F. Röhl, Neighborhood Justice Centers in den USA – eine Alternative zur Justiz?).

[1] Ein Tagungsbericht von Richard L. Abel in der Zeitschrift für Rechtssoziologie 1, 1980, 137-139.

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